Otologie
Vertigo (Schwindel) und BPPV
BPPV, Morbus Menière, vestibuläre Neuritis und andere Schwindelursachen — moderne Diagnostik und Therapie.
Was ist Vertigo und wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Vertigo ist eine spezielle Form von Schwindel — das Gefühl, dass sich Sie selbst oder Ihre Umgebung dreht. Häufigste Ursache: BPPV (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel), gefolgt von Morbus Menière und vestibulärer Neuritis. BPPV: 30–60 Sekunden dauernde Episoden, ausgelöst durch Lagewechsel; Morbus Menière: Schwindel mit Hörverlust, Tinnitus und Druckgefühl im Ohr; vestibuläre Neuritis: plötzlicher anhaltender Beginn. Vertigo mit plötzlichem Beginn, Erbrechen und neurologischen Auffälligkeiten (Doppelbilder, Sprachstörungen, Fazialisparese) erfordert sofortige Abklärung. Therapie: Epley-/Semont-Manöver bei BPPV (85–90 % Erfolg), Diät + medikamentöse Therapie bei Menière, akute Steroide + vestibuläre Rehabilitation bei Neuritis.
Diagnostischer Algorithmus
Die Anamnese ist das wichtigste diagnostische Instrument: Episodendauer, Auslöser (Lage, Stress, Geräusche), Begleitsymptome (Hörverlust, Tinnitus, Ohrdruck, Kopfschmerzen). In der Untersuchung ist das Dix-Hallpike-Manöver der Goldstandard für BPPV. Head-Impulse-Test, Head-Shaking-Test und Nystagmusprüfung geben Auskunft über die vestibuläre Funktion.
Weiterführende Diagnostik bei Bedarf: Videonystagmographie (VNG), kalorische Prüfung, vHIT, Posturographie, Audiometrie. Eine MRT wird bei Verdacht auf zentral-vestibuläre Pathologie oder bei einseitigem sensorineuralem Hörverlust angefordert.
BPPV: häufigste Schwindelform
BPPV entsteht durch Otokonien (Kalziumkarbonatkristalle), die in die Bogengänge gelangen. Lageveränderungen (Aufstehen, Kopfneigung nach hinten, Hinlegen) lösen 30–60 Sekunden andauernde heftige Schwindelepisoden aus. Am häufigsten ist der posteriore Bogengang betroffen (85–90 %).
Therapie: Epley-Manöver bei BPPV des posterioren Bogengangs; Lempert- (BBQ-Roll) oder Gufoni-Manöver beim lateralen Bogengang. Erfolg in einer Sitzung 85–90 %; rezidivierende Fälle können 2–3 Sitzungen benötigen. Brandt-Daroff-Übungen können zu Hause durchgeführt werden. Eine Operation (posteriore Bogengangsokklusion) kommt nur bei therapierefraktären Fällen in Betracht.
Häufig gestellte Fragen
- 15–50 % Rezidive innerhalb eines Jahres. Eine erneute Behandlung (Epley) ist weiterhin erfolgreich. Sturzanamnese, Kopftrauma und Vitamin-D-Mangel erhöhen das Rezidivrisiko.
- Keine endgültige Heilung, aber Häufigkeit und Schwere der Anfälle werden mit Therapie kontrolliert. Salzrestriktion (<2 g/Tag), Diuretika, Betahistin, intratympanale Steroide/Gentamicin und als letztes Mittel Operation (endolymphatischer Shunt, vestibuläre Neurektomie).
- Akutphase 1–3 Tage, bei den meisten Patienten deutliche Besserung in 4–6 Wochen. Vestibuläre Rehabilitation beschleunigt die Erholung. Kortikosteroide sind in der Akutphase nützlich.
- Nein. Schwindel wird unterteilt in: Vertigo (Drehgefühl), Präsynkope (Ohnmachtsgefühl), Gleichgewichtsstörung (Gangunsicherheit), unspezifischer Schwindel. Die Therapie unterscheidet sich nach Kategorie.
- Im akuten schweren Anfall können Vestibularissuppressiva (Meclizin, Dimenhydrinat) für 24–48 Stunden helfen. Chronische Anwendung verzögert die vestibuläre Kompensation; nicht empfohlen.
- Die Erstdiagnose und das Manöver sollten von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Bei späteren Rezidiven sind Heimmanöver vernünftig, wenn der betroffene Bogengang und die Strategie bekannt sind.
References
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