Angeborene Choanalatresie: Pädiatrische Diagnose und chirurgische Versorgung
Choanalatresie: angeborener Verschluss der hinteren Nase; Inzidenz 1/5000-7000. Bilateral ist neonataler Notfall. Mit CHARGE in 30%. Endoskopische transnasale Reparatur Standard.
Veröffentlicht: 2026-05-20 · Aktualisiert: 2026-05-20

Was ist Choanalatresie und wie wird sie behandelt?
Choanalatresie: angeborener Verschluss der hinteren Nase. Bilateral = neonataler Notfall. Endoskopische transnasale Reparatur Standard.
Embryologie, Anatomie und Krankheitsbild
Eine Choanalatresie resultiert embryologisch aus der Persistenz der bukkonasalen Membran (Hochstetter-Membran). Normalerweise resorbiert diese Membran am 38. Tag der Schwangerschaft und öffnet die Nasenhöhle zum Nasopharynx. Persistenz (normalerweise etwa in der 6. Schwangerschaftswoche) führt zu einer Atresie.
Anatomische Typen: knöchern (90 % – Vomer- und Pterygoidplattenhypertrophie, dicke Knochenplatte), membranös (10 % – Weichgewebe), gemischt. Classically 90% bony. Mittlere atretische Plattendicke 4-6 mm.
Klinisches Bild – beidseitig: Neugeborenennotfall. Neugeborene sind obligatorische Nasenatmer (in den ersten 4–6 Monaten; nur wenige erlernen die Mundatmung). Klassische Trias: (1) postnatale zyanotische Episoden – Atemnot, da die Nasenatmung ausbleibt und die Sauerstoffsättigung sinkt; (2) Schrei-Erleichterung – die Atmung mit offenem Mund normalisiert die Sättigung; (3) Wiederauftreten der Zyanose beim Füttern – kann beim Saugen nicht atmen, erneut zyanotisch.
Ein bilateraler Fall wird normalerweise innerhalb von Stunden identifiziert. Wiederbelebung: orale Atemwege (McGovern-Brustwarze) zur vorübergehenden Stabilisierung, dann geplante Notoperation.
Klinisches Bild – einseitig: meist späte Diagnose. Einseitige angeborene Nasenverstopfung, chronischer einseitiger eitriger oder klarer Ausfluss, wiederkehrende einseitige Sinusitis-Symptome. Wenn das Kind wächst, wird die Funktion durch Kompensation – andere Nasenloch- und Mundatmung – aufrechterhalten, mit funktionellen Einschränkungen (Bewegung, Schlaf).
Assoziation mit dem CHARGE-Syndrom: 30–50 % der Säuglinge mit Choanalatresie haben CHARGE (Kolobom, Herzfehler, Choanenatresie, eingeschränktes Wachstum, Genital, Ohr). CHD7-Genmutation. Jegliche bilaterale Atresie und zusätzliche Anomalien müssen für CHARGE untersucht werden.
Andere assoziierte Syndrome: Treacher Collins, Crouzon, Apert, fetales Alkoholsyndrom, DiGeorge (22q11). Eine isolierte Choanalatresie tritt häufiger einseitig auf.
Geschlechtsverteilung: Frau zu Mann 2:1. Ursache nicht vollständig geklärt – hormonelle oder genetische Ursache vermutet. Mehr dazu: unsere allgemeinen HNO-Leistungen.
Diagnose: Untersuchung, Kathetertest, Endoskopie, CT
Die Diagnose erfolgt klinisch + Endoskopie + Bildgebung. Eine bilaterale Atresie bei einem Neugeborenen wird durch die klassische Trias vermutet; durch Tests bestätigt.
Kathetertest: 8 Fr oder kleinerer Katheter wird durch das Nasenloch eingeführt – stößt bei 3–4 cm auf Widerstand und kann nicht darüber hinaus passieren. Ein Notfalltest am Krankenbett.
Nasale Absaugung: keine Luftbewegung auf der atretischen Seite; Spiegeltest (Glatzel) – kein Dampf von der atretischen Seite beim Ausatmen.
Nasenendoskopie: Das flexible Kinderendoskop (2,4–2,7 mm) untersucht die vordere Nasenhöhle, das Septum, die Nasenmuscheln und die Choana. Auf der atretischen Seite fehlt die hintere Öffnung; flache Schleimhaut oder knöcherne Barriere sichtbar.
Hochauflösende maxillofaziale CT: Goldstandard. Unterscheidet zwischen Knochen und Membran, der Dicke der atretischen Platte, der Septumdicke (häufig dick), der Position der Pterygoidplatte, der Dicke des Vomer und gleichzeitiger Sinusanomalien. Axial primär; koronales Komplementär. Die CT ist für die Operationsplanung zwingend erforderlich.
CT-Befunde: bei knöcherner Atresie verdicktes Vomer (> 5–6 mm bei normalem Neugeborenen), mediale Pterygoidplatte, laterale Verdickung des Vomer, mittlere Dicke der Atreticusplatte 4–6 mm. Bei der membranösen Atresie kommt es zu einer Verdickung des Weichgewebes, der Knochen ist normalerweise normal.
Weitere Tests: Hörvermögen (BERA – insbesondere zum Ausschluss von CHARGE), Augenheilkunde (CHARGE – Kolobom), kardiovaskuläre Untersuchungen (CHARGE – Herzanomalien), genetische Beratung (CHD7-Analyse, Karyotyp). Bei jedem Säugling mit mehreren Anomalien ist eine multidisziplinäre pädiatrische genetische Untersuchung erforderlich.
Differenzial: Stenose der Apertur piriformis (vordere Nasenstenose – andere Pathologie, weiter vorne), Septumdeviation (normalerweise einseitig, keine akute Obstruktion), Nasolacrimalzyste (intranasaler zystischer Raumforderung bei Neugeborenen), nasale Enzephalozele oder Gliom (Mittellinienraumbildung), große Adenoide (späteres Alter – nicht im Säuglingsalter).
Eine rechtzeitige Diagnose ist unerlässlich: Eine verzögerte Diagnose einer bilateralen Atresie führt zu Hypoxie, Fütterungsversagen und Entwicklungsverzögerung. Wenn sich ein Neugeborenes mit der klassischen Trias vorstellt, muss dringend eine HNO-Konsultation durchgeführt werden.
Endoskopische transnasale Reparatur – moderner Standard
Die moderne Choanalatresie-Chirurgie erfolgt endoskopisch transnasal. Ältere transpalatale (palatinale Spaltung), transseptale und sublabiale Zugänge machten der Endoskopie Platz – weniger invasiv, bessere Visualisierung, weniger Komplikationen, bessere Langzeitergebnisse.
Zeitpunkt: bilaterale Atresie bei Neugeborenen (erste Woche/Monat) – geplante Operation nach Stabilisierung. Eine einseitige Atresie ist nicht dringend; elektive Operation, wenn symptomatisch oder funktionseinschränkend (normalerweise 1–5 Jahre).
Anästhesie: allgemein, endotracheal. Kleine Atemwege und Atemreserven bedeuten, dass Fachwissen in der Kinderanästhesie von entscheidender Bedeutung ist.
Verfahren: pädiatrisches Nasenendoskop (2,7 mm 0° oder 30°). Vasokonstriktor (Epinephrin) zur Entstauung der Schleimhaut. Atretische Platte sichtbar gemacht; Geplanter Lappen – Schleimhautlappen über Vomer oder Pterygoidplatte (erhält die vaskularisierte Hülle).
Atrektomie: Mikrodebrider, Knochenzange, Bohren (Hochgeschwindigkeits-Kinderbohrmaschine) zur Resektion der atretischen Platte. Neochoanaldurchmesser nahe dem Choanal des Erwachsenen (10-15 mm). Häufig ist eine Vomer-Resektion erforderlich (dicker Vomer ist die häufigste Ursache für ein Versagen). Resektion der medialen Pterygoideusplatte für ausreichende Breite.
Stenting: umstritten. Älterer 6–12 Wochen alter nasopharyngealer Silikonstent zur Restenoseprävention. In der modernen Praxis wird weniger verwendet – wenn Schleimhautlappen und eine ausreichende Knochenresektion erreicht werden, kann ein Stent unnötig sein. Indikationen: schmale Neochoana, defekter Lappen, Restenose-Anamnese.
Mitomycin C: intraoperative topische Anwendung (0,4–1 mg/ml für 4–5 Minuten) reduziert die Narbenbildung – soll die Restenose verringern. Wird häufig in modernen Protokollen verwendet.
Postoperativ: 1–3 Tage Aufnahme (beidseitig kann eine Überwachung auf der neonatologischen Intensivstation erforderlich sein), Nasenspülung mit Kochsalzlösung 4–6x/Tag, Antibiotika 7 Tage, wöchentliche endoskopische Kontrolle in den ersten 6 Wochen. Entfernung des Stents (sofern platziert) nach 6–12 Wochen.
Restenose: das Hauptproblem bei der Choanalatresie-Chirurgie. Gemeldet 20–50 % – höher bei bilateralen Erkrankungen. Risikofaktoren: dünner Schleimhautlappen, unzureichende Knochenresektion, dickes Vomer, CHARGE-Syndrom, Restenoseneigung, GERD (postoperative Reizung).
Revision: zweite endoskopische Reparatur – aggressivere Knochenresektion + Mitomycin C + manchmal Stent. Möglicherweise sind mehrere Überarbeitungen erforderlich. Eine kleine Gruppe (5-10 %) hat Schwierigkeiten, das Patent aufrechtzuerhalten. Eine Schritt-für-Schritt-Beschreibung des Verfahrens bleibt bestehen Seite zur Mandelentzündung.
Postoperative Nachsorge, Komplikationen und Prognose
Früh postoperativ (erste 6 Wochen): Nasenspülung mit Kochsalzlösung ist unerlässlich – 4-6x tägliches großzügiges Waschen, verhindert Krustenbildung und Schleimbildung. Eltern geschult; beidseitiger Nasensauger + Kochsalztropfen für den Säugling. Endoskopische Kontrolle wöchentlich oder zweiwöchentlich.
Stentmanagement (falls platziert): Im Stent können sich Krusten ansammeln; Regelmäßige Bewässerung und Instrumentenreinigung erforderlich. Der Stent kann sich verschieben oder herausragen; Die Eltern werden gebeten, sich umgehend zu melden.
Antibiotikum: 7–10 Tage orales Antibiotikum (Amoxicillin-Clavulanat) nach der Operation. Bei eingesetztem Stent wird die Therapie erneut aufgegriffen (langfristige Behandlungsdauer birgt Resistenzrisiko).
GERD-Kontrolle: insbesondere in CHARGE; Eine Reizung der Nasopharyngealsäure verschlimmert die Restenose. PPI (Omeprazol für Säuglinge) wird 3–6 Monate postoperativ empfohlen.
Langzeit-Follow-up: 3-monatliche endoskopische Kontrolle im ersten Jahr; zweites Jahr 6-monatlich; dann jährlich. Eine frühe Restenose kann mit einer Ballondilatation oder einer kleinen Revision behandelt werden.
Komplikationen – früh: Blutung (nach der Operation in der ersten Woche – insbesondere Vomer), Infektion (Sinusitis, nasopharyngeale Cellulitis), stentbedingte Druckverletzung, Septumperforation, Verletzung des Tränennasengangs.
Komplikationen – spät: Restenose (20–50 %, am häufigsten), Nasensynechien (Adhäsion – vordere Höhle), Verengung der Apertura piriformis, Nasenklappeninsuffizienz, Septumperforation, Nasensatteldeformität (nach aggressiver Resektion – insbesondere Knorpelverlust).
Prognose: einseitiger Atresie-Gesamterfolg 80–90 % (Einzelverfahren); bilateral 60–75 % (erreicht typischerweise 80–90 % nach 1–2 Revisionen). CHARGE-Patienten haben einen geringeren Erfolg und einen höheren Revisionsbedarf (Anatomie + Schleimhautmerkmale).
Pädiatrische Entwicklung: Frühzeitiges Eingreifen ermöglicht normales Wachstum – Ernährung, Gewichtszunahme, Atmung, Entwicklung; Bei einer verzögerten bilateralen Atresie besteht die Gefahr einer Gedeihstörung. Einseitige Fälle, die im schulpflichtigen Alter sozial auftreten, erholen sich nach der Operation gut.
Patienten-/Familienaufklärung: Die häusliche Pflege ist von entscheidender Bedeutung. Spülung mit Kochsalzlösung, Technik zur Krustenentfernung, Alarmzeichen (Blutung, Fieber, Unwohlsein), endoskopisches Nachsorgeprogramm, GERD-Management. Jahrelange Nachbeobachtung.
Multidisziplinäres Team: Kinder-HNO + Kinderanästhesist + Neonatologe oder Kinderarzt + Genetik (CHARGE-Verdacht) + GE (GERD) + SLP (Langzeitartikulation oder Schlucken). Eine bilaterale Atresie lässt sich am besten in einem tertiären Kinderzentrum behandeln. Auch hilfreich: unsere HNO-Leistungen in Istanbul.
Häufig gestellte Fragen
- Neugeborenes blau, beim Weinen rosig?
- Klassische bilaterale Choanalatresie. SOFORT HNO-Beurteilung.
- Wann unilaterale OP?
- Nicht dringend. Elektiv bei Symptomen, meist 1-5 Jahre.
- CHARGE-Syndrom?
- 30-50% mit Choanalatresie, CHD7-Mutation, multidisziplinär.
- Restenose?
- Häufigste Komplikation (20-50%). Mitomycin C senkt Risiko.
- Stent?
- Umstritten. Modern oft stentlos bei guter Mukosa.
- Normale Entwicklung?
- Mit früher Behandlung ja; bei verspätet diagnostiziert bilateral Risiko.
Eine konkrete Frage? Kontaktieren Sie uns für eine persönliche Einschätzung.
Anatomie, Erwartungen und Befund jedes Patienten sind unterschiedlich. Schreiben Sie uns auf WhatsApp oder über das Kontaktformular — Prof. Dr. Hasan Ahmet Özdoğan meldet sich mit einer persönlichen Einschätzung.
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