Prof. Dr. Ahmet Özdoğan
KBB · 9 Min. Lesezeit

Nasenbluten (Epistaxis): Erste Hilfe und HNO-Behandlung

90% der Nasenbluten entstammen dem Locus Kiesselbach am vorderen Septum und sistieren mit korrektem Druck in 10-15 Minuten. Hintere Blutungen (5-10%) benötigen Ballontamponade oder Sphenopalatina-Ligatur.

Veröffentlicht: 2026-05-20 · Aktualisiert: 2026-05-20

Medizinisch geprüft vonProf. Dr. Hasan Ahmet Özdoğan, HNO und Kopf-Hals-Chirurgie
Nasenbluten (Epistaxis) – Erste Hilfe zu Hause, vordere und hintere Blutungsbehandlung
Kurze Antwort

Wie stoppt man Nasenbluten?

Richtige Erstversorgung: aufrecht sitzen, Kopf leicht nach vorne (nicht zurück). Weichen Nasenflügel mindestens 10-15 Minuten ohne Unterbrechung zudrücken. Durch den Mund atmen. Kalte Kompresse am Nasenrücken. Wenn vorhanden, Oxymetazolin-Spray. ENT-Behandlung bei anhaltender Blutung, Antikoagulation oder Kreislaufstörung — Kauterisation oder Ballontamponade.

Anatomische Grundlagen von Nasenbluten

Die Nasenschleimhaut ist eine der am stärksten vaskularisierten Strukturen im Kopf- und Halsbereich – sie dient der Befeuchtung und Erwärmung der eingeatmeten Luft. Diese reichhaltige Blutversorgung birgt auch das Blutungsrisiko.

Am antero-inferioren Septum anastomosieren vier Arterien (vorderes Siebbein, hinteres Siebbein, oberes Labial, großer Gaumen) in den Kiesselbach-Plexus (Little-Bereich). 90 % der Epistaxis bei Erwachsenen und nahezu allen Kindern tritt hier auf. Die Schleimhaut ist dünn, die Gefäße sind oberflächlich und anfällig für Finger- oder Trockenlufttrauma.

Hintere Blutungen entstehen meist aus dem hinteren Septumast der Arteria sphenopalatinis oder aus den Nasenmuscheln. Das Blut strömt in Richtung Mund und Rachen und nicht in die Nasenlöcher – es ist schwerer zu lokalisieren und der Patient kann es verschlucken.

Bei älteren Patienten sind Gefäßwandsklerose (Atherosklerose) und Bluthochdruck die Ursache für die meisten Fälle; Antikoagulanzien/Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, DOACs, Aspirin, Clopidogrel) erhöhen sowohl die Häufigkeit als auch den Schweregrad. Mehr dazu: unsere allgemeinen HNO-Leistungen.

Vordere vs. hintere Blutung: Wie man unterscheidet

Vordere Blutung: Blut tritt hauptsächlich aus den Nasenlöchern aus. Der Patient kann in der Regel die betroffene Seite identifizieren. Die vordere Rhinoskopie zeigt eine aktive Blutung oder ein Gerinnsel. Mit dem richtigen Druck stoppt es leicht.

Hintere Blutung: Blut fließt direkt in Mund und Rachen; Es wird viel Blut ausgespuckt oder verschluckt. Wenig oder gar nichts durch die Nasenlöcher. Verschlucktes Blut kann Übelkeit oder Kaffeesatz-Erbrechen verursachen. Druck hält es nicht auf; kein vorderer Blutungspunkt.

Risikofaktoren, die eine hintere Blutung begünstigen: ältere Menschen (>60), unkontrollierter Bluthochdruck, Verwendung von Antikoagulanzien/Thrombozytenaggregationshemmern, schlecht eingestellter Diabetes, laufende Chemotherapie, schwere Blutungen in der Vorgeschichte, frühere Septumoperation.

Weitere Diagnose: Nach der Entfernung des vorderen Blutes wird mit der flexiblen Nasopharyngoskopie die hintere Nase beurteilt. Möglicherweise ist eine hintere Packung oder ein Ballon erforderlich.

Erste Hilfe zu Hause: Schritt für Schritt richtig

1. Bleiben Sie ruhig. Panik erhöht den Blutdruck; Atme langsam und tief ein.

2. Setzen Sie sich aufrecht hin und neigen Sie den Kopf leicht nach vorne. Neigen Sie sich NIEMALS nach hinten – das führt dazu, dass Blut durch den Hals in den Magen gelangt. Es folgen Übelkeit/Erbrechen und Aspiration.

3. Drücken Sie den weichen, knorpeligen Teil der Nase (NICHT den knöchernen Nasenrücken) fest zwischen Daumen und Zeigefinger zusammen. Atme durch den Mund.

4. Halten Sie den Druck UNUNTERBROCHEN für mindestens 10–15 Minuten aufrecht. Das Loslassen zur Kontrolle verlängert die Blutung. Verwenden Sie eine Uhr oder einen Timer – die Zeit fühlt sich viel länger an, als sie ist.

5. Legen Sie eine kalte Kompresse (in ein Handtuch gewickelter Eisbeutel) auf den Nasenrücken oder die Wange – eine reflektorische Vasokonstriktion hilft.

6. Falls verfügbar, Oxymetazolin (Afrin, Otrivin) 2 Sprühstöße in jedes Nasenloch; oder Watte einweichen und auf die blutende Seite legen. Der Vasokonstriktor beschleunigt die Blutstillung.

7. Lassen Sie den Druck nach 15 Minuten langsam ab. Wenn die Blutung aufgehört hat, putzen Sie sich nicht die Nase, beugen Sie sich nicht, heben Sie keine schweren Gegenstände und duschen Sie 6–12 Stunden lang nicht heiß.

8. Wenn die Blutung wieder einsetzt, wiederholen Sie den Druck weitere 15 Minuten lang.

9. Gehen Sie in die Notaufnahme, wenn: die Blutung nach 20–30 Minuten korrektem Druck nicht aufhört, große Blutmengen, häufiges Wiederauftreten über einen Monat, gerinnungshemmende Therapie, Schwindel/Schwäche/Herzklopfen, traumabedingte Blutungen, periorbitale Blutergüsse oder Sehstörungen. Mehr dazu: Seite zur Septumabweichung.

Management im HNO-Bereich

Patientenstabilisierung: Vitalfunktionen, hämodynamischer Status, Blutdruckkontrolle (hypertensive Dringlichkeit hält Blutungen aufrecht). Hämoglobin/Hämatokrit, Gerinnungspanel (PT/INR, aPTT), Antikoagulanzienspiegel, Thrombozytenzahl. In schweren Fällen Infusionszugang und Wiederbelebung mit Flüssigkeit, bei Bedarf Blutprodukte.

Antikoagulationsmanagement: vorübergehende Unterbrechung, bis die Blutung aufhört – für Warfarin, Vitamin K und möglicherweise PCC oder FFP; für DOACs spezifische Umkehrwirkstoffe (Idarucizumab für Dabigatran; Andexanet alfa für Xa-Inhibitoren). Entscheidungen in Zusammenarbeit mit der Kardiologie.

Vordere Blutungslokalisation: topisches abschwellendes Mittel + Anästhetikum (Lidocain + Adrenalin), gefolgt von Spekulum und Endoskopie.

Chemischer Kauter: Silbernitratstift für 5-10 Sekunden auf die Blutungsstelle auftragen; Ausbreitung und beidseitige gleichzeitige Anwendung vermeiden (Perforationsgefahr).

Elektrokauterisation: Bipolare Kauterisation ist sicherer (kontrolliertere Gewebeschädigung). Wirksam bei Blutungen im vorderen Septum.

Vordere Nasenpackung: Wenn die Kauterisation versagt, wird eine nicht resorbierbare Packung (Merocel, Rapid Rhino – Ballonform) platziert; 24–48 Stunden übrig; prophylaktisches Antibiotikum (toxisches Schockrisiko).

Hintere Blutung: Hinterer Ballon (Foley-Katheter oder hintere Doppelballonpackung) eingeführt. Der Patient wird aufgenommen – Apnoerisiko (Vagusreflex), kardiale Nebenwirkungen, Hypoxieüberwachung ist unerlässlich.

Endoskopische Sphenopalatinarterienligatur (SPA-L): Wenn der hintere Ballon versagt oder schlecht vertragen wird, endoskopisches Clipping oder bipolare Koagulation. Erfolgsquote >95 %. Sicherer als eine Embolisation und verkürzt den Krankenhausaufenthalt.

Wiederkehrende Epistaxis: Ursachen und Vorbeugung

Lokale Ursachen: trockene Schleimhaut (Winter, Klimaanlage, Heizung), Fingertrauma (besonders bei Kindern), allergische Rhinitis, chronische Sinusitis, Septumdeviation, Septumperforation, falsch angewendetes intranasales Kortikosteroidspray (in Richtung Septum), Kokain- oder intranasaler Drogenkonsum, Tumore (juveniles nasopharyngeales Angiofibrom bei heranwachsenden Jungen, Plattenepithelkarzinom bei älteren Menschen – einseitige anhaltende Blutung ist ein Warnzeichen).

Systemische Ursachen: Bluthochdruck, Antikoagulans/Thrombozytenaggregationshemmer, Koagulopathie (von-Willebrand-Krankheit, Hämophilie, Thrombozytopenie), Leberversagen, Nierenversagen, Alkoholismus, Chemotherapie, hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (HHT – Osler-Weber-Rendu-Syndrom).

Vorbeugung: Befeuchtung (besonders im Winter, Umgebungen mit Klimaanlage), 2–4-mal täglich Kochsalzlösung, dünne Schicht Vaseline oder Kochsalzgel in den Nasenlöchern, Fingertraumata vermeiden (Kinder erziehen), gute Blutdruckkontrolle, Antikoagulansspiegel überwachen (INR-Zielbereich), allergische Rhinitis behandeln, korrekte INCS-Sprühtechnik (in Richtung Seitenwand) lehren.

HHT (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie): autosomal-dominantes Teleangiektasie-Syndrom. Wiederkehrende Epistaxis (häufig beginnend im Jugendalter), gastrointestinale Blutungen, mukokutane Teleangiektasien, pulmonale und zerebrale AVM. Genetische Beratung bei Verdacht. Behandlung: Gefäßembolisation, Laser (Nd:YAG, KTP), Septodermoplastik, als letzte Möglichkeit Young-Eingriff (Nasenlochverschluss). Mehr dazu: unsere HNO-Leistungen in Istanbul.

Häufig gestellte Fragen

Den Kopf in den Nacken legen — richtig?
Nein. Häufiger Fehler. Blut läuft in Rachen und Magen. Richtig: aufrecht, Kopf nach vorn.
Mein Kind blutet oft aus der Nase — sorgen?
Meist trockene Luft / Fingertrauma. Bei >20 Min Blutung, sehr häufig oder einseitig dauerhaft — HNO und Gerinnungsdiagnostik.
Antikoagulation und häufiges Nasenbluten?
Medikament nicht selbst absetzen. HNO + Kardiologie. INR-Ziel überprüfen, lokale Ursachen behandeln.
Verursacht Bluthochdruck Nasenbluten?
Hypertonie verlängert eher die Blutung als sie zu starten. Blutdruckkontrolle ist Teil der Therapie.
Einseitige Dauerblutung — was bedeutet das?
Verdacht auf Tumor (Erwachsene), Angiofibrom (junge Männer) oder Gefäßmalformation. Endoskopie und Bildgebung.
Wie lange bleibt eine Nasentamponade?
Vorderer Pack 24-48 Stunden, hinterer 48-72 Stunden. Antibiotikum-Prophylaxe.

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Anatomie, Erwartungen und Befund jedes Patienten sind unterschiedlich. Schreiben Sie uns auf WhatsApp oder über das Kontaktformular — Prof. Dr. Hasan Ahmet Özdoğan meldet sich mit einer persönlichen Einschätzung.

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