Prof. Dr. Ahmet Özdoğan
KBB · 10 Min. Lesezeit

HNO-Notfälle: Wann in die Notaufnahme?

Nicht jedes HNO-Problem ist ein Notfall — manche schon. Nasenbluten, plötzlicher Hörverlust, Fremdkörper im Ohr, Atemwegsverlegung. Wann sofort in die Notaufnahme, wann reicht ein HNO-Termin in 24-48 Stunden.

Veröffentlicht: 2026-04-28 · Aktualisiert: 2026-04-28

Medizinisch geprüft vonProf. Dr. Hasan Ahmet Özdoğan, HNO und Kopf-Hals-Chirurgie
HNO-Notfälle – wann Sie in die Notaufnahme gehen sollten
Kurze Antwort

Welche HNO-Zustände erfordern die Notaufnahme?

HNO-Notfälle — sofort in die Notaufnahme: 1) Atemwegsverlegung (Epiglottitis, Anaphylaxie, Fremdkörperaspiration, Larynxödem) — lebensbedrohlich. 2) Schweres Nasenbluten (>40 Min. Druck nutzlos, Übelkeit). 3) Plötzlicher Hörverlust (einseitig innerhalb 24 Std. — Hörsturz, Behandlung in 72 Std. kritisch). 4) Knopfbatterie oder Magnet im Ohr eines Kindes (Verätzung). 5) Blutung aus Nase/Ohr nach schwerem Kopftrauma (möglicher Liquoraustritt). 6) Rasch wachsende schmerzhafte Halsschwellung (Abszess, tiefe Halsinfektion). Nicht-Notfall — chronische Obstruktion, leichte Heiserkeit, Tinnitus — HNO-Termin in 24-48 Std.

Atemwegsverlegung: der kritischste Notfall

Der gefährlichste HNO-Notfall ist die Obstruktion der oberen Atemwege. Es kann innerhalb von Minuten tödlich sein; Kein Warten – rufen Sie den Notdienst oder eilen Sie zur Notaufnahme.

Symptome: 1) Stridor (ein hoher, behindernder Ton, besonders beim Einatmen), 2) Schwierigkeiten beim Atmen – Brustkorb einziehen, mühsames Atmen bei geöffnetem Mund, 3) Schwierigkeiten beim Schlucken, Speichelfluss (besonders bei Kindern), 4) Verzerrte Sprache – „heiße Kartoffelstimme“, 5) Sichtbare Angst, Tachykardie, Schwitzen, 6) Blaue Lippen oder Fingerspitzen (Zyanose – spätes Zeichen).

Häufige Ursachen: Epiglottitis (schwere infektiöse Schwellung der Epiglottis – durch Hib-Impfung reduziert, tritt aber immer noch auf), Anaphylaxie (allergischer Schock – Kehlkopfödem), Fremdkörperaspiration (besonders bei 1-3-Jährigen), Peritonsillarabszess (kann den Kehlkopf drücken), ätzende Einnahme (versehentliches Alkali oder Säure), akute Obstruktion durch Kehlkopftumor.

Was Sie NICHT tun sollten: Führen Sie einen Finger ein, um den Gegenstand zu entfernen (Sie können ihn tiefer drücken), geben Sie Wasser oder Nahrung (Aspirationsgefahr). Was zu tun ist: Die Person sitzen lassen, ruhig bleiben, einen Krankenwagen rufen. Für ein Kind, das nicht atmet: Heimlich-Manöver (über 1 Jahr) oder Rückenschläge für Kleinkinder (unter 1 Jahr). Mehr dazu: unsere allgemeinen HNO-Leistungen.

Nasenbluten (Epistaxis): wann Notfall

60 % der Erwachsenen leiden mindestens einmal im Leben an Nasenbluten. Die meisten sind mild und hören spontan oder durch einfachen Druck auf. Manche brauchen dringend Pflege.

Kein Notfall (zu Hause beherrschbar): Leichtes Rinnsal, stoppt bei 5-10-minütigem Druck, nach trockener Luft oder geringfügigem Fingertrauma. Behandlung: Sitzen, Kopf leicht nach vorne neigen (nicht nach hinten – um Blutschlucken zu vermeiden), die weiche Nasenspitze 10–15 Minuten lang fest zusammendrücken, kalte Kompresse (feuchtes, kaltes Tuch auf Stirn und Nase legen). Das funktioniert zu 95 %.

Notfall (in die Notaufnahme): 1) Blutung stoppt nach 40 Minuten Druck nicht, 2) Starke Blutung – fließt aus Mund und Nase, Blässe oder Ohnmacht, 3) Patient nimmt Blutverdünner (Coumadin, Plavix, Eliquis usw.) – Gerinnungsstörung, 4) Wiederkehrende Blutungen (2–3 pro Woche) – können auf eine Pathologie hinweisen (Polyp, Septumperforation, unkontrollierter Blutdruck, Tumor), 5) Posttraumatisch – Schlag, Verkehrsunfall – möglicher Nasenbeinbruch.

ER-Behandlung: Nasenendoskopie lokalisiert die Quelle. Behandlung: lokaler Vasokonstriktor (Oxymetazolin), chemischer Silbernitratkauter, Elektrokauter, Ballonpackung (Merocel oder Rapid Rhino), in schweren Fällen Angioembolisation. Ein Krankenhausaufenthalt ist normalerweise nicht erforderlich.

Plötzlicher Hörverlust: das 72-Stunden-Fenster

Plötzlicher sensorineuraler Hörverlust (SSHL) ist ein HNO-Notfall: Ein Hörverlust entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden, normalerweise auf einer Seite. Die typische Geschichte: „Ich bin aufgewacht und konnte auf meinem rechten Ohr nichts mehr hören.“ 95 % sind einseitig.

Symptome: plötzlicher Hörverlust, oft mit Tinnitus, Völlegefühl im Ohr, manchmal Schwindel. Der Schweregrad reicht von teilweise (einige Geräusche gehen verloren) bis vollständig (kein Geräusch zu hören).

Die Ursache ist meist unbekannt (idiopathisch). Mögliche Mechanismen: Virusinfektion (Cochlea-Virusentzündung), Gefäßprobleme im Innenohr, Autoimmunerkrankung, akustisches Trauma, ototoxisches Medikament. Selten Akustikusneurinom (Vestibularnervtumor) – daher MRT-Untersuchung.

Warum Notfall: Eine frühzeitige Steroidbehandlung verändert das Ergebnis. Wenn innerhalb von 72 Stunden nach Beginn begonnen wird, kommt es bei 50–70 % zu einer teilweisen oder vollständigen Genesung. Begonnen nach 1 Woche: 20-30 %. Nach 2 Wochen: <10 %. „Bis morgen“ zu warten kommt einem Hörverlust gleich.

Behandlung: systemisches Kortikosteroid (orales Prednison oder Methylprednisolon) 7–14 Tage; manchmal wurde ein intratympanales Steroid (direkte Mittelohrinjektion) hinzugefügt. Antihistaminika oder Gleichgewichtsberuhigungsmittel bei Schwindel. MRT zum Ausschluss eines Akustikusneurinoms (insbesondere wenn nach 6 Wochen keine Besserung eintritt).

Fremdkörper im Ohr und Knopfbatterieaufnahme

Fremdkörper sind der häufigste HNO-Notfall bei Kindern. Kleine Gegenstände im Ohr, in der Nase oder im Rachen. Selten bei Erwachsenen; Spitzenwerte bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren (Spielzeugteile, Bohnen, Perlen, kleine Batterien, Aufkleberteile, Bleistiftspitzen).

Kein Notfall (24-Stunden-Klinik): sanfte, atraumatische FB, keine Schmerzen oder Blutungen. Heimaktion: nichts. Der Versuch, mit dem Finger oder einer Pinzette zu versuchen, drückt normalerweise tiefer und kann das Trommelfell beschädigen. Schütteln Sie es nicht und gießen Sie keine Flüssigkeit in das Ohr (was bei einer Batterie noch schlimmer ist).

NOTFALL (sofortige Notaufnahme): 1) Knopfbatterie – Typ Uhr oder Hörgerät. Batterie in Nase oder Ohr länger als 4 Stunden wirkt als chemischer Kauter; tiefe Verbrennungen, Septumperforation, sogar tödlicher Verlauf. Warten Sie nicht, wenn der Verdacht auf eine Batterie besteht. 2) Magnet – zwei Magnete, einer in der Nase, einer außen, klemmen die Schleimhaut zwischen sich ein; Gewebetod und Perforation. 3) FB mit Blutungen oder starken Schmerzen. 4) Atemwegs-FB – Kind würgt, hustet, atmet nicht.

ER-Entfernung: Der HNO-Arzt stellt die Operation endoskopisch dar und entfernt sie unter dem Mikroskop mit speziellen Instrumenten. Lokalanästhesie bei Erwachsenen; Bei Kindern kann eine kurze Sedierung erforderlich sein (insbesondere, wenn frühere Versuche fehlgeschlagen sind). Eine Schritt-für-Schritt-Beschreibung des Verfahrens bleibt bestehen HNO-FAQ-Seite.

Schwere Halsschwellung und Abszess

Eine schnell wachsende Halsschwellung (über Stunden bis Tage) ist normalerweise ansteckend – tiefer Halsabszess, Peritonsillarabszess, submandibulärer Abszess, Parotisinfektion, Ludwig-Angina (sublinguale Rauminfektion – Atemwegsnotfall).

Symptome: Schwellung + Wärme + Rötung + Schmerz + Fieber. Wenn eine Schwellung das Atmen oder Schlucken beeinträchtigt, wird dies zu einem echten Notfall – möglicherweise eine Kompression der Atemwege. Eine Stimmveränderung („Hot-Potato-Stimme“) ist ein gefährliches Zeichen dafür, dass eine Beeinträchtigung der Atemwege droht.

ER-Abklärung: Fieber, Vitalzeichen, CRP, Blutbild; Hals-CT (Abszess in der Weichteilebene, Atemwegskompression). Behandlung: IV-Antibiotika (Breitband: Amox-Clav, Clindamycin, Cefepim), Abszessdrainage (chirurgische oder CT-gesteuerte Nadel), Atemwegsüberwachung. In einigen Fällen Aufnahme auf die Intensivstation.

Peritonsillarabszess – eine spezifische und häufige Form. Abszess im Gewebe um eine Mandel. Symptome: starke einseitige Halsschmerzen, „heiße Kartoffelstimme“, Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes (Trismus), Sabbern. Behandlung: Nadeldrainage oder Inzision + intravenöse Antibiotika. Anamnese einer Mandelentzündung mit schweren einseitigen Halsschmerzen, die sich unter Antibiotika nicht innerhalb von 3–4 Tagen bessert, sollte auf einen Peritonsillarabszess untersucht werden.

Posttraumatische HNO-Notfälle

Nach einem Gesichts- oder Kopftrauma erfordern einige HNO-Probleme eine dringende Beurteilung. Am häufigsten: Nasenknochenfraktur, Septumhämatom, Perforation des Trommelfells, Liquorleck, Explosion/akustische Verletzung.

Nasenbeinfraktur: Schlag, Balleinschlag, Unfall. Symptome: Deformität, Schmerzen, Schwellung, Nasenbluten, Asymmetrie. Die ersten 24 Stunden des Ödems maskieren die Deformität; Das wahre Bild zeigt sich nach 5-7 Tagen. Eine geschlossene Reposition muss innerhalb von 7–10 Tagen erfolgen, da sich die Knochen vorher nicht vollständig vereinigen. Nach 2 Wochen ist zur Korrektur eine Operation erforderlich.

Septumhämatom: Blutansammlung zwischen Knorpel und Schleimhaut des Septums. Nach einem Trauma sehen beide Seiten der Nasenscheidewand geschwollen aus (wie eine verstopfte Nase). Wenn die Drainage nicht innerhalb von 24 Stunden erfolgt, stirbt der Knorpel ab und es entsteht eine „Sattelnase“-Deformität. Dringende Entwässerung erforderlich.

Liquorleck: klare wässrige Flüssigkeit, die nach einem schweren Kopftrauma aus Nase oder Ohr austritt. Zeigt an, dass intrakranielle Flüssigkeit austritt – Meningitis-Risiko. Dringende Neurochirurgie + HNO-Konsultation, Bildgebung, Liquortest. Konservative + chirurgische Reparatur, wenn sich das Leck nicht schließt.

Explosions-/akustisches Trauma: Feuerwerk, Schüsse, Explosionsnähe – Trommelfellriss. Symptome: plötzlicher Hörverlust, Tinnitus, Schmerzen, Blutungen. Die meisten Perforationen heilen spontan innerhalb von 2–3 Monaten; wenn nicht, chirurgische Reparatur (Tympanoplastik). Eine akute HNO-Untersuchung ist unerlässlich. Mehr dazu: unsere HNO-Leistungen in Istanbul.

Häufig gestellte Fragen

Mein Nasenbluten hört nicht auf — was tun?
15 Min. festen Druck (sitzend, Kopf leicht vor, weicher Nasenflügel zugedrückt). Nach 30-40 Min. nicht gestoppt oder Blut geschluckt — Notaufnahme. Bei Blutverdünnern und 15 Min. nicht gestoppt — Notaufnahme.
Mein Kind hat eine Knopfbatterie in die Nase gesteckt — was tun?
SOFORT in die Notaufnahme! Batterie >4 Std. in Nase/Ohr — chemische Verätzung und Perforation. Nicht warten. HNO innerhalb 30 Min.
Ich höre auf einem Ohr nicht — was tun?
Möglicher Hörsturz — HNO-Notfall. Behandlung in 72 Std. ergibt 50-70% Erholung. Gleicher Tag HNO oder Notaufnahme.
Eine Fischgräte sitzt im Hals — selbst entfernen?
Weiches Essen schlucken (Brot, Banane) — kann nach unten schieben. Keine Finger oder Pinzette — Verletzungsgefahr. Bleibt sie >30 Min. oder Atemnot — Notaufnahme.
Faust ins Gesicht, Nase blutet — Notfall?
Bei nicht stoppender Blutung >30 Min. — Notaufnahme. Bruchverdacht (Deformität) — HNO in 7-10 Tagen (Reposition). Septalhämatom — DRINGENDE Drainage.
Ohrenschmerzen unerträglich — Notaufnahme?
Starke Schmerzen + Fieber + Ungleichgewicht + Hörverlust — mögliche Mittelohrentzündung. Nicht in 24 Std. besser oder Verschlechterung — Notaufnahme. Leichte Schmerzen — Hausarzt/HNO-Termin reicht.
Plötzliche Heiserkeit + Atemnot — was tun?
NOTFALL — möglicherweise Larynxödem. Atemweg kann verschließen. Notruf oder Notaufnahme. Isolierte Heiserkeit ohne Atemnot — 1-2 Wochen warten OK.
Rasch wachsende schmerzhafte Halsschwellung — warum?
Meist ein Abszess. Notaufnahme — IV Antibiotika und Drainage. Atemweg-Kompression ist möglich, Monitoring nötig.

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